
Ein klar strukturiertes Produktportfolio hilft Kundinnen und Kunden, die bereits wissen, wonach sie suchen. Sie können Produkte und Leistungen vergleichen, Unterschiede erkennen und das passende Angebot auswählen.
Viele Interessierte sind jedoch noch nicht an diesem Punkt. Sie suchen nicht nach einem bestimmten Produkt, sondern beschäftigen sich mit einer Herausforderung oder einem Ziel. Welche Technologie, welches Produkt oder welche Leistung dafür geeignet ist, ist ihnen häufig noch nicht klar.
Ein Produkteinstieg bleibt deshalb unverzichtbar. Er darf aber nicht der einzige Zugang zum Angebot sein. Unternehmen müssen potenzielle Kundinnen und Kunden bereits bei ihrem Problem oder Ziel abholen und von dort zum passenden Angebot führen. Genau diese Aufgabe übernimmt ein Nutzeneinstieg.
Dieser Beitrag zeigt, warum Nutzeneinstiege im B2B-Marketing wichtig sind, wie sie entwickelt werden und wie sie sinnvoll mit dem Produktportfolio zusammenspielen.

veröffentlicht am: 27.07.2026
Lesedauer: 4 min
Ein Produkteinstieg richtet sich an Kundinnen und Kunden, die bereits wissen, wonach sie suchen. Sie kennen einen Produkttyp, eine Technologie oder eine konkrete Leistung und möchten Angebote vergleichen, Unterschiede verstehen oder technische Details prüfen.
Für diese Zielgruppe ist eine klare Portfoliostruktur unverzichtbar. Sie schafft Orientierung und hilft dabei, das passende Produkt oder die passende Leistung auszuwählen.
Gleichzeitig setzt dieser Einstieg Vorwissen voraus: Die Herausforderung muss bereits einer möglichen Lösung zugeordnet werden können. Gerade bei komplexen B2B-Angeboten ist das nicht immer der Fall.
Wie groß der Anteil potenzieller Kundinnen und Kunden ist, die bereits aktiv nach einem Produkt oder einer Lösung suchen, verdeutlicht die sogenannte 95:5-Regel. Sie wurde vom Ehrenberg-Bass Institute for Marketing Science gemeinsam mit dem B2B Institute von LinkedIn für das B2B-Marketing aufgegriffen.
Die Regel besagt vereinfacht: Zu einem bestimmten Zeitpunkt beschäftigen sich durchschnittlich nur etwa 5 Prozent des potenziellen Marktes mit einer konkreten Kaufentscheidung. Die übrigen 95 Prozent werden möglicherweise später kaufen, suchen aktuell aber noch nicht nach einem bestimmten Angebot oder Produkt.
Die genaue Verteilung hängt vom Markt und vom jeweiligen Beschaffungszyklus ab. Die 95:5-Regel ist daher weniger als starre Quote zu verstehen, sondern als strategisches Denkmodell. Entscheidend ist die Konsequenz: Wer ausschließlich über Produkte kommuniziert, erreicht vor allem diejenigen, die bereits wissen, was sie brauchen. Für die 5 Prozent im Kaufmodus sind Produktinformationen, technische Details und Vergleichsmöglichkeiten wichtig. Bei den übrigen 95 Prozent potenziellen Kundinnen und Kunden müssen Unternehmen zunächst Relevanz schaffen: für ein Problem, eine Veränderung oder ein Ziel, mit dem das eigene Angebot später verbunden werden kann.
Genau hier beginnt die Aufgabe von Marketing. Es soll nicht nur bestehende Nachfrage bedienen, sondern auch bei denjenigen Verständnis und Erinnerung aufbauen, die heute noch nicht aktiv nach einer Lösung suchen.
Ein Nutzeneinstieg ersetzt den Produkteinstieg nicht. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Produkteinstieg hilft Kundinnen und Kunden, die bereits wissen, wonach sie suchen. Der Nutzeneinstieg dagegen richtet sich an diejenigen, die zunächst ihre Herausforderung, ein Ziel oder eine notwendige Veränderung einordnen möchten. Der Unterschied liegt vor allem im Ausgangspunkt.
Produkteinstieg:
Industrieroboter, Softwarelösungen und Integrationssysteme
Nutzeneinstieg:
Produktionskapazitäten erweitern
Beide Wege führen zum selben Portfolio, setzen aber an unterschiedlichen Punkten der Customer Journey an. Der Nutzeneinstieg schafft früh Relevanz und Orientierung. Der Produkteinstieg unterstützt später Vergleich, Bewertung und Entscheidung.
Ausgangspunkt sind die relevanten Rollen im Buying Center. Welche Herausforderungen beschäftigen sie? Welche Ziele verfolgen sie? Und woran erkennen sie im Alltag, dass Handlungsbedarf besteht?
Wichtige Hinweise liefern Vertriebs- und Beratungsgespräche, Kundenprojekte, Serviceanfragen und Suchanfragen auf der Website. Entscheidend sind konkrete Bedarfssituationen – keine allgemeinen Trends oder austauschbaren Vorteile.
Nicht jede Herausforderung braucht einen eigenen kommunikativen Einstieg. Priorisiert werden sollten Themen,
Am Ende sollten wenige, klar voneinander abgegrenzte Nutzeneinstiege stehen. Zu viele Einstiege schaffen keine zusätzliche Orientierung, sondern bilden lediglich eine neue Form von Komplexität.
Ordnen Sie jedem priorisierten Nutzeneinstieg die Produkte, Module und Services zu, die tatsächlich zur beschriebenen Veränderung beitragen. Prüfen Sie dabei auch, welche Kombination den Kern der Lösung bildet und welche Leistungen nur ergänzend hinzukommen.
Die Argumentationslogik lautet:
Herausforderung → gewünschte Veränderung → eigener Lösungsansatz → passende Produkte und Leistungen
Dadurch bleibt der Nutzeneinstieg eng mit dem konkreten Angebot verbunden. Die Grundlage dafür ist ein verständlich aufgebautes Produkt- und Leistungsportfolio. Wie dieses strukturiert wird, zeigen wir in Produktportfolio strukturieren: Angebote aus Kundensicht aufbauen
Auf der Website sollten beide Zugänge sichtbar sein, aber nicht miteinander konkurrieren. Der Produkteinstieg richtet sich an Besuchende, die bereits wissen, wonach sie suchen. Sie brauchen einen direkten Weg zu Produktkategorien, Leistungen, technischen Details und Vergleichsmöglichkeiten.
Der Nutzeneinstieg setzt früher an. Er führt über Herausforderungen, Ziele, Anwendungen oder konkrete Bedarfssituationen zu passenden Lösungsansätzen und anschließend zum Produktportfolio.
Wichtig ist, daraus keine zwei getrennten Angebotswelten zu bauen. Beide Wege müssen konsequent miteinander verbunden sein:
So können Nutzer dort einsteigen, wo sie in ihrer Customer Journey tatsächlich stehen. Wer bereits eine Lösung kennt, gelangt direkt zum Produkt. Wer zunächst ein Problem einordnen möchte, wird schrittweise zum passenden Angebot geführt.
Gerade bei einem Website-Relaunch sollten Produkteinstieg, Nutzeneinstieg, Informationsarchitektur und Content deshalb gemeinsam geplant werden. Sonst entsteht schnell entweder eine reine Produktübersicht oder eine abstrakte Lösungswelt ohne klare Verbindung zum tatsächlichen Angebot.
Ein Produkteinstieg bleibt unverzichtbar. Er unterstützt Kundinnen und Kunden, die bereits wissen, wonach sie suchen, beim Vergleich und bei der Auswahl. Der Nutzeneinstieg setzt früher an. Er beginnt bei einer Herausforderung oder einem Ziel, schafft Relevanz und führt von dort zum passenden Angebot.
Erst beide Zugänge gemeinsam bilden das tatsächliche Informations- und Entscheidungsverhalten im B2B ab. So wird ein Produktportfolio nicht nur auffindbar, sondern auch für diejenigen relevant, die ihre Lösung noch nicht kennen.
Ihre Produkte sind überzeugend, aber der Nutzen wird nicht deutlich?
Wir unterstützen B2B-Unternehmen dabei, relevante Bedarfssituationen zu identifizieren und daraus klare Nutzeneinstiege für Website, Content und Vertrieb zu entwickeln. Gemeinsam verbinden wir Buying Center, Kundenprobleme und Produktportfolio zu einer konsistenten Kommunikationslogik.
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